Wallbox mit PV-Überschussladen

Mittags produziert deine Solaranlage oft mehr Strom, als das Haus braucht. Der Rest fließt für wenige Cent ins Netz. Mit PV-Überschussladen landet dieser Strom stattdessen in deinem E-Auto. Hier liest du, wie das technisch funktioniert, was Wallbox und Anlage können müssen und wie viel du damit sparst. Stand: November 2026.

Geschrieben von
Viktor Wiebe

Das Wichtigste in Kürze

  • Prinzip: Die Wallbox lädt nur mit dem Solarstrom, den das Haus gerade nicht braucht. Die Ladeleistung passt sich laufend an.
  • Technik: Du brauchst eine regelbare Wallbox mit Schnittstelle, einen Zähler am Netzanschluss und ein Energiemanagement.
  • Startschwelle: Ein E-Auto lädt einphasig ab rund 1,4 kW und dreiphasig ab rund 4,1 kW. Mit automatischer Phasenumschaltung startet die Ladung schon bei wenig Sonne.
  • Ersparnis: Jede Kilowattstunde Solarstrom im Auto spart rund 30 Cent gegenüber Netzstrom und Einspeisung. Bei 15.000 Kilometern im Jahr sind das schnell 400 Euro und mehr.
  • Anlagengröße: Sinnvoll ist Überschussladen ab etwa 6 bis 10 kWp. Am meisten bringt es, wenn das Auto tagsüber zu Hause steht.
Inhaltsverzeichnis

Was ist PV-Überschussladen?

Überschuss ist der Solarstrom, den dein Haus in diesem Moment nicht verbraucht. Ohne Wallbox geht er ins Netz. Für eine neue Anlage bis 10 kWp bekommst du dafür seit dem 1. August 2026 nur 7,70 Cent pro kWh. Netzstrom kostet dagegen im Schnitt 37,3 Cent. Beim Überschussladen nutzt du den Solarstrom selbst und lädst damit dein Auto. Die Wallbox regelt die Leistung so, dass sie möglichst wenig Strom aus dem Netz zieht.

Es gibt drei Stufen. Beim manuellen Laden steckst du das Auto an, wenn die Sonne scheint. Beim automatischen Laden mit fester Leistung startet die Wallbox, sobald genug Überschuss da ist. Beim dynamischen Überschussladen passt sie die Ladeleistung laufend an die Sonne an. Nur die dritte Stufe holt das Meiste aus deiner Anlage heraus.

So funktioniert Überschussladen

Das Herzstück ist das Energiemanagement. Es misst am Netzanschluss, wie viel Strom gerade ins Netz fließen würde, und sagt der Wallbox, mit wie viel Leistung sie laden darf. Das passiert im Abstand von Sekunden.

Solarstrom zum Auto4 kWDein Auto lädt mit Sonnenstrom
Haus aus PV: 2 kWAuto: siehe obenNetzeinspeisung: 0 kW
Überschuss nach Hausverbrauch: 4 kW · Netzbezug fürs Haus: 0 kW
Die Anlage erzeugt Strom — Die Sonne scheint, die Module liefern Leistung.
Das Haus bekommt zuerst — Kühlschrank, Licht und Geräte werden direkt versorgt.
Der Zähler misst den Rest — Am Netzanschluss sieht das Energiemanagement, wie viel ins Netz fließen würde.
Die Wallbox regelt nach — Sie lädt mit genau diesem Überschuss, einphasig ab rund 1,4 kW.
Der Rest geht weiter — Was das Auto nicht braucht, lädt den Speicher oder fließt ins Netz.
Beispiel zum Ausprobieren: vereinfachtes PV-Überschussladen, Start ab rund 1,4 kW, Ladegrenze im Modell 11 kW. Phasenwechsel und fahrzeugabhängige Ladestufen sind nicht abgebildet. Das Haus hat Vorrang. Ohne Speicher und ohne Verluste gerechnet. Ein angeschlossenes, ladebereites Auto wird vorausgesetzt. Ob zuerst der Speicher oder das Auto lädt, stellst du im Energiemanagement ein.

Was du für Überschussladen brauchst

  • Regelbare Wallbox: Sie braucht eine Schnittstelle wie WLAN, LAN oder Modbus und muss ihre Leistung in kleinen Schritten ändern können. Eine einfache Wallbox ohne Schnittstelle kann das nicht.
  • Zähler am Netzanschluss: Ein Energiezähler oder Smart Meter misst, wie viel Strom ins Netz geht oder aus dem Netz kommt.
  • Energiemanagement: Es verbindet Wechselrichter, Zähler, Speicher und Wallbox. Am einfachsten klappt das, wenn alle Teile vom selben Hersteller kommen.
  • Passende Solaranlage: Der ADAC empfiehlt rund 6 bis 10 kWp, damit nach dem Hausverbrauch genug für das Auto übrig bleibt. Wie du die Größe planst, steht im Ratgeber PV-Anlage planen.
  • Elektrofachbetrieb: Installation und Anmeldung beim Netzbetreiber macht eine Elektrofachkraft.

Was Wallbox, Zähler und Energiemanagement zusammen kosten, steht im Ratgeber Was kostet eine Wallbox?.

Ab wie viel Sonne lädt das Auto?

Jedes E-Auto braucht eine Mindestladeleistung. Der Ladestandard schreibt mindestens 6 Ampere vor. Auf einer Phase sind das rund 1,4 kW, auf drei Phasen rund 4,1 kW. Die meisten Wallboxen laden dreiphasig. Ohne weitere Technik startet das Überschussladen also erst, wenn mehr als 4 kW übrig sind. An einem bewölkten Tag oder im Winter passiert das selten.

Warum die Phasenumschaltung so wichtig ist

Eine Wallbox mit automatischer Phasenumschaltung wechselt bei wenig Sonne von drei Phasen auf eine. Dann lädt sie schon ab rund 1,4 kW. Scheint die Sonne wieder stärker, schaltet sie zurück. So nutzt du auch den kleinen Überschuss am Morgen und am Nachmittag. Vor allem bei Anlagen bis etwa 10 kWp ist das das wichtigste Merkmal.

Was passiert bei Wolken?

Fällt der Überschuss unter die Mindestleistung, pausiert die Wallbox oder lädt mit etwas Netzstrom weiter. Bei vielen Systemen stellst du das selbst ein: nur Solarstrom, Solarstrom mit Netzstrom als Mindestleistung oder sofort mit voller Leistung. Muss das Auto morgen früh voll sein, wählst du einfach Sofortladen.

Steck das Auto an, wann immer es zu Hause steht, auch wenn die Batterie noch halb voll ist. Das Energiemanagement entscheidet dann selbst, wann es lädt. So landet am meisten Sonne im Auto.

Wie viel spart Überschussladen?

Jede kWh Solarstrom im Auto spart dir 37,3 Cent für Netzstrom. Dafür verzichtest du auf 7,70 Cent Einspeisevergütung. Unterm Strich bleiben rund 30 Cent pro kWh. Auf 100 Kilometer bei 20 kWh Verbrauch sind das rund 6 Euro weniger als mit Netzstrom.

Annahme Wert
Fahrleistung 15.000 km im Jahr
Verbrauch 20 kWh je 100 km
Strom fürs Auto 3.000 kWh
Davon Solarstrom 50 % = 1.500 kWh
Netzstrom gespart rund 560 €
Einspeisung entgangen rund 115 €
Vorteil pro Jahr rund 440 €

↔️ Seitlich wischen, um alle Spalten zu sehen.

Netzstrom 37,3 ct/kWh (BDEW, Oktober 2026), Einspeisevergütung 7,70 ct/kWh für neue Anlagen bis 10 kWp (seit 1.8.2026). Stand: November 2026.

Wie hoch dein Solaranteil ist, hängt vor allem davon ab, wann das Auto zu Hause steht. Wer im Homeoffice arbeitet oder Schicht hat, schafft deutlich mehr als 50 Prozent. Wer jeden Tag pendelt, lädt unter der Woche fast nur abends und kommt eher auf einen kleinen Anteil. Dann helfen das Wochenende, ein Speicher oder ein günstiger Nachttarif.

Überschussladen hilft auch bei zwei neueren Regeln. Seit dem Solarspitzengesetz gibt es für Strom, der bei negativen Preisen eingespeist wird, keine Vergütung. Anlagen ohne Smart Meter dürfen höchstens 60 Prozent ihrer Leistung einspeisen. Was das genau bedeutet, steht in unserem Beitrag zur 60-Prozent-Regel im Solarspitzengesetz. Nach dem Entwurf zum EEG 2027 sollen neue Anlagen ab 2027 noch weniger für eingespeisten Strom bekommen. Der Bundestag hat darüber noch nicht abgestimmt. Den aktuellen Stand findest du im Ratgeber Photovoltaik Gesetze. Je weniger die Einspeisung bringt, desto mehr lohnt es sich, den Strom selbst ins Auto zu laden.

Überschussladen mit Speicher: Wer bekommt den Strom zuerst?

Hast du einen Batteriespeicher, konkurrieren Speicher und Auto um denselben Strom. Im Energiemanagement legst du die Reihenfolge fest. Häufig sinnvoll: Morgens zuerst den Speicher laden, damit er abends das Haus versorgt, und mittags das Auto. Ist der Speicher voll, geht der ganze Überschuss in die Wallbox.

Den Speicher groß genug zu machen, um auch das Auto abends zu laden, lohnt sich meist nicht. Eine Autobatterie fasst 40 bis 80 kWh, ein Hausspeicher meist 5 bis 15 kWh. Welche Speichergröße zu deinem Haus passt, erklärt der Ratgeber Wie groß sollte ein Stromspeicher sein?.

Für wen sich Überschussladen lohnt

  • Lohnt sich: Homeoffice, Schichtarbeit oder Rente, also wenn das Auto oft tagsüber zu Hause steht.
  • Lohnt sich: eine große Anlage ab etwa 8 kWp, viele Kilometer im Jahr oder ein Speicher, der den Mittag in den Nachmittag verlängert.
  • Lohnt sich weniger: Du pendelst täglich und das Auto ist nur abends und nachts da.
  • Lohnt sich weniger: eine kleine Anlage, wenige Kilometer oder eine Wallbox, die sich nur mit viel Aufwand nachrüsten lässt.

Steht das Auto vor allem nachts zu Hause, kann ein dynamischer Stromtarif die bessere Ergänzung sein. Er macht das Laden in Stunden mit viel Wind günstiger.

Und das bidirektionale Laden?

Beim bidirektionalen Laden gibt das Auto Strom zurück ins Haus oder ins Netz. Es wird zum großen Speicher auf Rädern. Seit dem 1. Januar 2026 werden E-Autos bei den Netzentgelten wie andere Speicher behandelt, für zwischengespeicherten Strom fällt das Netzentgelt also nicht mehr doppelt an. Die Technik steht aber noch am Anfang. Nur wenige Automodelle können es, und bidirektionale Wallboxen kosten rund 2.000 bis 3.000 Euro. Für die meisten Haushalte ist eine gute Überschuss-Wallbox heute die bessere Wahl.

Welche Wallbox passt zu deiner Solaranlage?

Achte beim Kauf auf drei Dinge: eine Schnittstelle zum Energiemanagement, eine automatische Phasenumschaltung und eine geprüfte Verbindung zu deinem Wechselrichter. Im Test des ADAC mit der HTW Berlin und dem Fraunhofer ISE lagen die Lösungen nur rund 54 Euro im Jahr auseinander. Wichtiger als das letzte Prozent ist also, dass die Teile zuverlässig zusammenarbeiten.

Wir bieten Wallboxen von Huawei, SAJ, SigEnergy, Q-Cells und SMA mit Installation an. Welche zu deinem Wechselrichter passt, siehst du auf unserer Seite Wallbox für deine Solaranlage. Solaranlagen mit Speicher findest du als fertiges Solarpaket. Ob es für deine Wallbox noch einen Zuschuss gibt, steht im Ratgeber Wallbox Förderung.

FAQ

Beantworte uns ein
paar Fragen

Damit wir noch besser auf deine Bedürfnisse 
eingehen können