Wie Wärmepumpe und Solaranlage zusammenarbeiten
Eine Wärmepumpe holt Wärme aus der Luft, dem Boden oder dem Grundwasser und bringt sie mit Strom auf Heiztemperatur. Aus 1 kWh Strom macht eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in einem bestehenden Haus im Schnitt rund 3,4 kWh Wärme. Das hat das Fraunhofer ISE in einem vierjährigen Feldtest gemessen. Den Strom dafür kann deine eigene Solaranlage liefern.
Läuft die Wärmepumpe, während die Anlage Strom erzeugt, nutzt sie zuerst den Solarstrom. Was fehlt, kommt aus dem Netz. Was übrig bleibt, geht in den Haushalt, in einen Speicher oder ins Netz. Das passiert automatisch, du musst nichts umschalten.
Der Haken ist die Jahreszeit. Die Solaranlage erzeugt den meisten Strom von April bis September. Die Wärmepumpe braucht den meisten Strom von November bis Februar. Diese Lücke kann keine Solaranlage schließen, auch keine sehr große.
Wie viel Heizstrom liefert die Solaranlage?
Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin hat die Kombination für Einfamilienhäuser durchgerechnet. Ohne Batteriespeicher kann die Solaranlage etwa 20 bis 33 % des gesamten Jahresstroms für Haushalt und Heizung liefern. Mit einer smarten Betriebsstrategie steigt der Anteil auf 30 bis 41 %. Im Winter kommt dagegen fast der gesamte Heizstrom aus dem Netz.
Ein Messprojekt des Fraunhofer ISE in einem Haus mit Solaranlage, Batteriespeicher und Wärmepumpe zeigt ein ähnliches Bild: Die Anlage deckte rund 36 % des Strombedarfs der Wärmepumpe.
Je weniger Wärme dein Haus braucht, desto größer ist der Anteil, den die Solaranlage übernehmen kann. In einem sehr gut gedämmten Haus mit geringem Stromverbrauch sind laut Verbraucherzentrale Hamburg mehr als 60 % möglich, ohne ausreichende Dämmung deutlich weniger.
Was spart Solarstrom in der Wärmepumpe?
Rechne nicht mit Prozenten, sondern mit Cent. Jede kWh Solarstrom, die deine Wärmepumpe verbraucht, musst du nicht kaufen. Dafür speist du sie nicht ein und bekommst keine Vergütung. Dein Gewinn ist die Differenz.
Ein Beispiel: Ein Einfamilienhaus braucht 18.000 kWh Wärme im Jahr. Bei einer Jahresarbeitszahl von 3,4 verbraucht die Wärmepumpe rund 5.300 kWh Strom. Liefert die Solaranlage davon ein Viertel, also etwa 1.300 kWh, sieht die Rechnung so aus:
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Einspeisevergütung für Anlagen bis 10 kWp mit Inbetriebnahme vom 1.8. bis 31.12.2026. Wärmepumpentarif: Durchschnitt laut Verbraucherzentrale NRW (Modul 2, ohne Grundpreis). Haushaltsstrom: BDEW-Durchschnitt 2026. Stand: November 2026.
Statt 100 Euro Vergütung sparst du also je nach Tarif rund 210 bis 385 Euro Stromkosten im Jahr. Über 20 Jahre sind das bei gleichen Preisen etwa 4.200 bis 7.700 Euro. Diesen Wert bringt die Wärmepumpe deiner Solaranlage.
Ein Zähler oder zwei: Welcher Stromtarif passt?
Für Wärmepumpen gibt es günstigeren Strom. Seit 2024 dürfen Netzbetreiber neue Wärmepumpen bei drohender Überlastung kurz auf 4,2 kW drosseln (§ 14a Energiewirtschaftsgesetz). Im Gegenzug zahlst du weniger Netzentgelt. Du hast die Wahl:
- Modul 1: Die Wärmepumpe läuft über deinen normalen Zähler. Du bekommst einen festen Rabatt aufs Netzentgelt, laut Bundesnetzagentur meist 110 bis 190 Euro im Jahr.
- Modul 2: Die Wärmepumpe bekommt einen eigenen Zähler, das Netzentgelt pro kWh sinkt um 60 %. Wärmepumpentarife kosten damit laut einer Marktübersicht der Verbraucherzentrale NRW im Schnitt 24 Cent pro kWh plus rund 140 Euro Grundpreis im Jahr.
- Modul 3: zeitabhängige Netzentgelte, nur zusammen mit Modul 1 und einem Smart Meter.
Mit Solaranlage wird die Wahl kniffliger. Hat die Wärmepumpe einen eigenen Zähler, muss das Messkonzept so geplant sein, dass sie trotzdem Solarstrom nutzen kann. Läuft alles über einen Zähler, nutzt die Wärmepumpe den Solarstrom automatisch, zahlt für Netzstrom aber den normalen Haushaltspreis. Welche Variante günstiger ist, hängt von deinem Verbrauch ab. Lass dir beide vor dem Einbau durchrechnen.
Lohnt sich zusätzlich ein Stromspeicher?
Ein Batteriespeicher verschiebt Solarstrom vom Mittag in den Abend. Für die Wärmepumpe hilft das vor allem im Frühjahr und Herbst. Im Winter wird der Speicher an vielen Tagen gar nicht voll. Nennenswert Strom für die Wärmepumpe liefert er nur in Nächten nach einem sonnigen Tag (Verbraucherzentrale Hamburg).
Für den Haushaltsstrom lohnt sich ein Speicher dagegen oft. Ob und in welcher Größe, zeigt unser Ratgeber Lohnt sich ein Stromspeicher? mit echten Zahlen.
Einen Wärmespeicher hast du vielleicht schon im Keller: Ein Warmwasser- oder Pufferspeicher lässt sich mittags mit Solarstrom aufheizen und gibt die Wärme abends ab. Das ist oft günstiger als zusätzliche Batteriekapazität.
So holst du mehr Solarstrom in die Wärmepumpe
- SG-Ready oder Energiemanager: Über diese Schnittstelle meldet die Solaranlage der Wärmepumpe, dass gerade Strom übrig ist. Die Wärmepumpe heizt dann etwas vor oder erwärmt das Warmwasser.
- Warmwasser mittags bereiten: Im Sommer braucht die Wärmepumpe nur Strom für warmes Wasser. Läuft sie dafür mittags, liefert die Solaranlage fast alles.
- Modulierende Wärmepumpe: Eine Wärmepumpe mit Inverter passt ihre Leistung an und läuft länger mit weniger Strom. So nutzt sie mehr Solarstrom (Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz).
- Niedrige Vorlauftemperatur: Jedes Grad weniger spart Strom, laut Verbraucherzentrale Hamburg rund 4 % pro Grad.
- Leichte Nachtabsenkung: Sie verschiebt einen Teil des Heizbedarfs in den Vormittag, wenn die Solaranlage schon Strom liefert.
Wie groß sollte die Solaranlage sein?
Plane die Solaranlage nicht nur für deinen heutigen Haushaltsstrom. Für ein Haus mit 120 m² rechnet der ADAC mit 3.240 bis 5.040 kWh Strom im Jahr für die Wärmepumpe, in einem schlecht gedämmten Altbau mit bis zu doppelt so viel.
In NRW erzeugt jedes Kilowatt-Peak Solarleistung rund 900 kWh im Jahr. Eine Anlage mit 22 Modulen (10,45 kWp) bringt also etwa 9.400 kWh. Rechnerisch reicht das für Haushalt und Wärmepumpe zusammen, auch wenn ein großer Teil im Sommer anfällt. Mit Wärmepumpe kann eine etwas größere Anlage sinnvoll sein, weil im Frühjahr und Herbst mehr Solarstrom ins Haus geht. Was im Sommer übrig bleibt, wird für neue Anlagen ab 2027 nach dem Regierungsentwurf aber kaum noch vergütet. Wie du Schritt für Schritt vorgehst, zeigt unser Ratgeber PV-Anlage planen.
Was ändert sich mit dem EEG 2027?
Wer seine Solaranlage bis zum 31.12.2026 in Betrieb nimmt, bekommt die heutige Einspeisevergütung 20 Jahre lang. Für neue Anlagen ab 2027 sieht der Regierungsentwurf zum EEG 2027 keine feste Vergütung mehr vor, sondern nur eine befristete Übergangszahlung. Beschlossen ist das noch nicht (Stand: November 2026). Für dich heißt das: Je weniger der eingespeiste Strom bringt, desto wertvoller wird jede kWh, die deine Wärmepumpe selbst nutzt. Den aktuellen Stand erklärt unser Beitrag zur Einspeisevergütung und EEG-Reform.
Was kostet das Duo und welche Förderung gibt es?
Wärmepumpe und Solaranlage werden getrennt gefördert. Ein gemeinsames Förderprogramm für die Kombination gibt es nicht.
- Wärmepumpe: KfW-Zuschuss 458 mit 30 % Grundförderung plus Boni, zusammen bis zu 70 %, bei kleinen Einkommen bis zu 80 % von höchstens 28.000 Euro förderfähigen Kosten. Alle Details im Ratgeber Wärmepumpe Förderung.
- Solaranlage: 0 % Mehrwertsteuer auf Anlage, Speicher und Montage auf Wohngebäuden. Mehr im Ratgeber Photovoltaik-Förderung.
Bei hallo.solar kosten Wärmepumpen laut unserer aktuellen Angebotsliste ab rund 27.800 Euro. Eine Solaranlage mit 22 Modulen und 6-kWh-Speicher gibt es komplett mit Montage ab rund 17.400 Euro, alle Pakete findest du bei unseren Solarpaketen. Was nach der Förderung von der Wärmepumpe übrig bleibt, zeigt unser Ratgeber Was kostet eine Wärmepumpe?. Wie unser Wärmepumpen-System mit Service funktioniert, erfährst du im Beitrag Wärmepumpen mit System und Service.
Für wen lohnt sich die Kombination?
- Du planst ohnehin beides: Dann lassen sich Elektrik, Zählerschrank und Steuerung in einem Schritt planen.
- Deine alte Solaranlage fällt aus der Vergütung: Den Strom in der Wärmepumpe selbst zu nutzen, bringt meist mehr. Mehr dazu im Beitrag EEG-Vergütung läuft aus: Was tun?
- Dein Haus braucht wenig Heizwärme: Je effizienter das Haus, desto größer der Solaranteil am Heizstrom.
- Du brauchst viel Warmwasser: Warmwasser fällt das ganze Jahr an, auch im Sommer, wenn die Sonne am meisten liefert.
Weniger bringt die Solaranlage für die Wärmepumpe, wenn dein Dach stark verschattet ist oder dein Haus sehr viel Wärme braucht. Die Wärmepumpe kann trotzdem sinnvoll sein, der Solaranteil am Heizstrom bleibt dann aber klein. Ob dein Haus für eine Wärmepumpe bereit ist, prüfst du mit unserem Ratgeber Wärmepumpe im Altbau.
Unser Fazit
Wärmepumpe und Photovoltaik passen gut zusammen, aber nicht, weil die Solaranlage dein Haus im Winter heizt. Sie lohnen sich zusammen, weil jede kWh Solarstrom in der Wärmepumpe drei- bis fünfmal mehr wert ist als im Netz. Rechne ohne Speicher mit einem Solaranteil von einem Fünftel bis einem Drittel am gesamten Strombedarf und plane die Steuerung von Anfang an mit. Welche Lösungen wir anbieten, siehst du auf unserer Seite zur Wärmepumpe.