„In meinem alten Haus funktioniert keine Wärmepumpe” – diesen Satz hören wir oft. Messungen in echten Häusern zeigen etwas anderes. Hier erfährst du, worauf es im Altbau wirklich ankommt, wie du dein Haus mit einem einfachen Test selbst prüfst und was du vor dem Einbau tun solltest.
Geschrieben von
Viktor Wiebe
Lesezeit
9 Min.
Aktualisiert am
04/11/2026
Das Wichtigste in Kürze
Ja, in den meisten Altbauten funktioniert eine Wärmepumpe. Im Feldtest des Fraunhofer ISE erreichten Luft-Wasser-Wärmepumpen in bestehenden Häusern im Schnitt eine Jahresarbeitszahl von 3,4.
Entscheidend ist die Vorlauftemperatur, nicht das Baujahr. Ein Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz wurde im Feldtest nicht gefunden.
Mit dem 55-Grad-Test prüfst du selbst, ob deine Heizkörper mit niedrigeren Temperaturen auskommen.
Eine Komplettdämmung ist meist nicht nötig. Oft reichen einzelne größere Heizkörper und ein hydraulischer Abgleich.
Der Tausch wird gefördert: mit 30 bis 80 % Zuschuss, mit Bonus für alte Öl- und Gasheizungen.
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) hat vier Jahre lang 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern gemessen. Viele davon standen in älteren Häusern mit normalen Heizkörpern. Das Ergebnis: Luft-Wasser-Wärmepumpen machten im Schnitt aus 1 kWh Strom 3,4 kWh Wärme, Erdwärmepumpen sogar 4,3 kWh.
Wärmepumpe und Feldtest
Anlagen
JAZ im Schnitt
Luft-Wasser, Bericht 2025
61
3,4
Erdwärme, Bericht 2025
16
4,3
Luft-Wasser, 2014 bis 2019
29
3,1
Erdwärme, 2014 bis 2019
12
4,1
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JAZ = Jahresarbeitszahl: Wärme pro kWh Strom über ein Jahr. Luft-Wasser-Spanne im Bericht 2025: 2,6 bis 4,9. Quelle: Fraunhofer ISE, Feldtests „WP-QS im Bestand” und „WPsmart im Bestand”.
Die Geräte sind dabei effizienter geworden: Im vorherigen Feldtest (2014 bis 2019) lag der Schnitt der Luft-Wasser-Wärmepumpen noch bei 3,1. Teamleiter Danny Günther fasst zusammen, dass Wärmepumpen effizient heizen, „ohne dass die Gebäude auf Neubaustandard saniert werden müssen”.
Worauf es wirklich ankommt: die Vorlauftemperatur
Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur, mit der das Heizwasser in die Heizkörper fließt. Alte Öl- und Gaskessel sind oft auf 70 Grad und mehr eingestellt, auch wenn das Haus weniger bräuchte. Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger diese Temperatur ist. Jedes Grad weniger spart laut Verbraucherzentrale Hamburg rund 4 % Strom.
Wie hoch die Vorlauftemperatur sein muss, hängt von zwei Dingen ab: wie viel Wärme dein Haus verliert und wie groß deine Heizkörper sind. Große Heizkörper geben auch mit lauwarmem Wasser genug Wärme ab. Deshalb ist das Baujahr allein kein gutes Kriterium.
Der 55-Grad-Test: So prüfst du dein Haus selbst
Ob deine Heizkörper mit niedrigeren Temperaturen auskommen, kannst du im Winter mit deiner alten Heizung testen:
Kalten Tag abwarten: Der Test ist nur an einem richtig kalten Wintertag aussagekräftig.
Vorlauf begrenzen: Stelle die Vorlauftemperatur am Kessel auf höchstens 55 Grad. Wenn du nicht weißt, wie das geht, hilft dein Heizungsbauer.
Ventile ganz öffnen: Drehe die Thermostate in allen Wohnräumen voll auf.
Einige Stunden warten und messen: Werden alle Räume warm genug?
Kalte Räume notieren: Dort helfen meist größere Heizkörper oder bessere Fenster.
Werden alle Räume mit 55 Grad warm, ist dein Haus in der Regel bereit für eine Wärmepumpe. Klappt es sogar mit 50 Grad oder weniger, umso besser: Dann arbeitet die Wärmepumpe besonders sparsam.
Muss ich mein Haus vorher dämmen?
Meist nicht komplett. Marek Miara vom Fraunhofer ISE nennt als groben Richtwert: Der Heizwärmebedarf sollte nicht dauerhaft über etwa 150 kWh pro Quadratmeter und Jahr liegen. Deinen Wert kannst du grob selbst abschätzen. Teile deinen Gas- oder Ölverbrauch in kWh durch die Wohnfläche. Ein Haus mit 140 m² und 20.000 kWh Gas im Jahr liegt bei rund 143 kWh pro m². Weil darin auch Warmwasser und Kesselverluste stecken, ist der echte Heizwärmebedarf etwas niedriger.
Liegt dein Haus deutlich darüber, lohnt sich vor dem Heizungstausch ein Blick auf einzelne Schwachstellen wie ungedämmte Dachböden, Kellerdecken oder sehr alte Fenster. Solche Maßnahmen fördert das BAFA mit 15 %, mit individuellem Sanierungsfahrplan mit 5 % mehr. Wichtig: Eine neue Heizung musst du nicht aufschieben, bis alles saniert ist. Die Wärmepumpe sollte aber zu dem Haus passen, das du in einigen Jahren haben willst.
Heizkörper, Fußbodenheizung und hydraulischer Abgleich
Eine Fußbodenheizung ist keine Voraussetzung. Im Fraunhofer-Feldtest arbeiteten die Wärmepumpen auch mit normalen Heizkörpern zuverlässig. Oft reicht es, in den Räumen, die beim 55-Grad-Test kalt bleiben, größere Heizkörper einzubauen.
Pflicht für die Förderung ist der hydraulische Abgleich. Dabei wird eingestellt, wie viel Heizwasser in jeden Heizkörper fließt, damit alle Räume gleichmäßig warm werden. Er sorgt auch dafür, dass die Wärmepumpe mit niedrigerer Temperatur auskommt. Für solche Zusatzarbeiten im Altbau, also Heizkörper, Abgleich, Rohre und Elektrik, rechnet der ADAC mit 5.000 bis 20.000 Euro.
Luft-Wasser oder Erdwärme im Altbau?
Erdwärmepumpen holen die Wärme aus dem Boden, der auch im Winter gleichmäßig temperiert ist. Sie arbeiten deshalb effizienter, gerade bei den höheren Temperaturen im Altbau. Dafür kostet die Bohrung 8.000 bis 16.000 Euro und braucht eine Genehmigung und Platz auf dem Grundstück.
Für die meisten Einfamilienhäuser ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe die wirtschaftlichere Wahl. Achte dabei auf die Lautstärke: Gefördert werden nur Außengeräte, die mindestens 10 dB leiser sind als der EU-Grenzwert. Bei Geräten zwischen 6 und 12 kW sind das höchstens 60 dB(A) Schallleistung. Prüfe dazu den Schallleistungspegel im Datenblatt, nicht den Schalldruck aus dem Prospekt. Plane den Aufstellort außerdem mit Abstand zu Schlafzimmern und Nachbarfenstern.
Wärmepumpe und alter Kessel zusammen?
Eine Hybridheizung kombiniert eine Wärmepumpe mit dem vorhandenen Kessel, der nur an sehr kalten Tagen einspringt. Das kann eine Übergangslösung sein, wenn das Haus noch viel Wärme verliert. Du betreibst und wartest dann aber zwei Systeme und zahlst weiter für Gas oder Öl. Für die Förderung müssen die beheizten Flächen nach dem Umbau zu mindestens 65 % mit erneuerbarer Wärme versorgt werden.
Was sagt das Gesetz?
Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) statt des bisherigen Gebäudeenergiegesetzes. Die Pflicht, dass jede neue Heizung zu 65 % mit erneuerbaren Energien laufen muss, ist damit weggefallen. Bestehende Heizungen dürfen ohne feste Altersgrenze weiterlaufen. Du musst also nicht tauschen.
Wirtschaftlich spricht trotzdem viel dafür. Auf Gas und Öl fällt ein CO2-Preis an, 2026 und 2027 zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne. Ab 2028 gilt der europäische Emissionshandel, dann ohne festen Preisrahmen. Und wer eine alte Öl- oder Gasheizung früh austauscht, bekommt heute noch 16 % Klimabonus, der ab Februar 2027 schrittweise sinkt. Alle Details im Ratgeber Wärmepumpe Förderung. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Energieberatung.
Was kostet eine Wärmepumpe im Altbau?
Zum Gerät und zum Einbau kommen im Altbau oft Zusatzarbeiten an Heizkörpern und Elektrik. Unsere Wärmepumpen-Pakete kosten laut aktueller Angebotsliste rund 27.800 bis 37.400 Euro. Die KfW fördert davon bis zu 28.000 Euro mit 30 bis 80 %. Eine Rechnung für alle Pakete findest du im Ratgeber Was kostet eine Wärmepumpe?
Schritt für Schritt zur Wärmepumpe im Altbau
Verbrauch prüfenGas- oder Ölverbrauch durch die Wohnfläche teilen: Liegst du deutlich über 150 kWh pro m²?
Verbrauch prüfen — Gas- oder Ölverbrauch durch die Wohnfläche teilen: Liegst du deutlich über 150 kWh pro m²?
55-Grad-Test machen — An einem kalten Tag prüfen, ob alle Räume mit höchstens 55 Grad warm werden.
Heizlast berechnen lassen — Sie bestimmt die richtige Größe der Wärmepumpe.
Angebot und Förderantrag — Vertrag nur mit Vorbehalt der Förderzusage, Antrag bei der KfW vor Baubeginn.
Einbau und Abgleich — Einzelne Heizkörper tauschen, hydraulischen Abgleich machen, Gerät in Betrieb nehmen.
Erste Heizperiode beobachten — Heizkurve so weit senken, wie es die Räume zulassen.
Stand: November 2026.
Unser Fazit
Eine Wärmepumpe funktioniert in den meisten Altbauten, auch mit normalen Heizkörpern. Entscheidend sind eine möglichst niedrige Vorlauftemperatur, eine passende Größe und ein sauberer hydraulischer Abgleich. Mach den 55-Grad-Test, lass die Heizlast berechnen und beseitige die größten Schwachstellen. Mit eigenem Solarstrom sinken die Heizkosten weiter, wie unser Ratgeber Wärmepumpe mit Photovoltaik zeigt. Wie unser System mit Service funktioniert, liest du im Beitrag Wärmepumpen mit System und Service, alle Leistungen auf unserer Seite zur Wärmepumpe.
FAQ
Funktioniert eine Wärmepumpe auch mit normalen Heizkörpern?
Ja, in den meisten Fällen. Im Feldtest des Fraunhofer ISE arbeiteten Wärmepumpen auch in älteren Häusern mit Heizkörpern zuverlässig und effizient. Zu kleine Heizkörper in einzelnen Räumen lassen sich gezielt austauschen.
Welche Vorlauftemperatur ist für eine Wärmepumpe zu hoch?
Als Faustregel gilt: Kommt dein Haus mit höchstens 55 Grad aus, passt eine Wärmepumpe in der Regel gut. Je niedriger die Temperatur, desto weniger Strom braucht sie.
Muss ich mein Haus vor dem Einbau dämmen?
Meist nicht komplett. Als grober Richtwert sollte der Heizwärmebedarf nicht dauerhaft über etwa 150 kWh pro m² und Jahr liegen. Oft reicht es, einzelne Schwachstellen wie Dachboden oder Kellerdecke zu beheben.
Lohnt sich eine Wärmepumpe in einem Haus aus den 1960er-Jahren?
Das Baujahr allein entscheidet nicht. Im Fraunhofer-Feldtest gab es keinen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz. Wichtiger sind Heizkörper, Vorlauftemperatur und der Zustand der Dämmung.
Was ist im Altbau besser: Luft-Wasser oder Erdwärme?
Erdwärme ist effizienter, kostet aber durch die Bohrung 8.000 bis 16.000 Euro mehr. Für die meisten Einfamilienhäuser ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe die wirtschaftlichere Wahl.
Darf ich meine alte Heizung weiter betreiben?
Ja. Nach dem Gebäudemodernisierungsgesetz gibt es keine feste Altersgrenze mehr. Wegen des CO2-Preises und des sinkenden Klimabonus kann sich ein früher Tausch aber lohnen.
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